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Stichwort: Neurolinguistisches Programmieren

Das neurolinguistische Programmieren (NLP), entwickelt ab Anfang der siebziger Jahre von BANDLER, GRINDER, DILTS und anderen, ist eine Kurzpsychotherapie, die verspricht, schnelle Anpassungen des persönlichen Verhaltensrepertoires erreichen zu können. Gleichzeitig wird mit NLP eine pragmatische Sammlung von Kommunikations- und Veränderungstechniken umrissen, die zusammen oder einzeln wirkungsvoll in therapeutischen und nicht therapeutischen Situationen eingesetzt werden können. In den letzten Jahren wurde NLP vor allem als Kommunikationstraining populär, welches mehrere Einzeltechniken (Konditionierung durch Anker, Fragetechniken, Nutzung nonverbaler Kommunikation etc.) in einer verhaltenstherapeutischen Interventionsmethodik integriert (vgl. grundlegend BANDLER/GRINDER 1980/82; als Überblick BACHMANN 1991; mit Sitzungsprotokollen STAHL 1990; zur Kritik WEERTH 1993, S.221ff.)

Das Kürzel NLP beinhaltet drei programmatische Bestandteile: "Neuro" unterstellt die Repräsentation jedes menschliche Verhalten und jedes Körperzustands im Gehirn durch neuronale Verknüpfungen, also eine Art direkte Entsprechung auf der Funktionsebene des Nervensystems; "Linguistisch" meint die sprachliche Kommunikation dieser Verknüpfungen; "Programmieren" bezeichnet die Entwicklung von sprachlichen und nichtsprachlichen Konditionierungen, die dann wiederum die neuronalen Verknüpfungen in eine gewünschte Richtung modifizieren. Vor allem geht es um Methoden, sich von problemerzeugenden, automatisch ablaufenden inneren Programmen und kognitiven Zuständen zu befreien.

Zur Klärung und Veränderung subjektiver Sichtweisen wird im NLP beispielsweise eine Nachfragetechnik angewandt, die sehr zielgerichtet auf Modifikationen hinarbeitet. Der Therapeut/Berater versucht durch Suggestion z.B. von Bildern (im Sinne der Hypnotherapie von MILTON ERICKSON) neue Lösungsstrategien im Bewußtsein des Klienten zu institutionalisieren. Die therapeutische Beziehung wird dabei durch "Rapport" hergestellt, ein "Einschwingen" auf gleichen Atemrhythmus, Sprechweise (Wortwahl, Lautstärke, Betonung), Körperhaltung etc. Der Klient wird dazu vom Therapeuten/Berater erst imitiert, was Vertrauen herstellt, dann - für jenen unbewußt - im synchronen Verhalten geleitet. Es wird eine Angleichung an das kognitive "Repräsentationssystem" des Gesprächspartners angestrebt, welches zuvor mit Hilfe von (visuellen, auditiven, kinästhetischen, olfaktorischen oder gustativen) "Prozeßwörtern" identifiziert wurde. Solange die Synchronizität besteht, ist der Klient leicht zu manipulieren, sind Veränderungen seiner "Submodalitäten" (NLP-Terminologie) möglich. Als Selbstverwirklichungswerkzeug ist NLP daher in Personalführungsseminaren ebenso beliebt wie als Trickkiste in Verkaufstrainings. NLP folgt der modischen Strömung, die Methodenvielfalt und gleichzeitig die Integration gegensätzlicher therapeutischer Ansätze zu propagieren. So nimmt NLP für sich in Anspruch, Elemente der non-direktiven Gesprächspsychotherapie (nach ROGERS), der Gestalttherapie (nach PERLS), der Kommunikationstherapie (nach WATZLAWICK) und der TZI (nach COHN) zu verbinden.

Der führende deutsche NLP-Protagonist STAHL sieht NLP als eine "Modelling"- Methodik zum Herausfinden und Aneignen der wesentlichen Komponenten effektiven Denkens und Handelns. Da der potentielle Manipulationscharakter von NLP besonders groß ist, legen er und andere psychotherpeutisch ausgebildete NLP-Trainer Wert auf eine ethische Fundierung. Als "Glaubenssätze" werden idealistische Grundannahmen der Humanistischen Psychologie übernommen, die auch die Basis für Einzelinterventionen darstellen: (1) So etwas wie "Fehler" oder "Versagen" gibt es nicht: Es gibt nur Feedback; (2) Menschen funktionieren perfekt. Keiner ist "nicht in Ordnung", "kaputt" oder "hat einen Defekt"; (3) Hinter jedem Verhalten gibt es eine positive Absicht; (4) Menschen verfügen schon über alle Ressourcen (im Sinn von inneren Fähigkeiten), die sie brauchen, um die von ihnen angestrebten Veränderungen zu erreichen (vgl. BACHMANN 1991).

Literaturhinweise

Hamburg, im Dezember 1997
Copyright ANTON HAHNE


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